Sonntag, 10. März 2013

[Buchgeplauder]: 5 Autoren die jeder liebt - nur ich nicht

Es gibt Autoren, die muss man einfach lieben. Das behaupten nicht nur sie selbst, sondern auch Rezensenten ihrer Werke in Zeitschriften und Fernsehen und ein Großteil meiner Freunde (wobei „Großteil“ heißt: Alle die deren Bücher selbst gelesen haben).

Wenn alle so viel Überzeugungsarbeit leisten, gebe ich mir richtig Mühe die gepriesenen Autoren ebenfalls gut zu finden, sollte es auch Jahre und etliche Bücher lang dauern.
Gefallen mir dann die Werke der Autoren noch immer nicht, verstauben sie oft im Bücherregal, denn sie könnten mir ja vielleicht irgendwann doch gefallen. Und meine inneren Zweifel sagen: Was jeder gut findet, kann doch nicht schlecht sein.

Pünktlich zum Frühjahrsputz werden jetzt aber einige Bücher ausgesondert, denn letztendlich geht es bei Romanen nur um subjektiven Genuss, ganz egal wie sehr man sich bei Rezensionen um Objektivität und Neutralität bemüht.
Hier meine persönliche Top-Five der am meisten überschätzten Autoren, durch die in meinem Bücherregal nun Platz für neues geschaffen wird:

5.) Charles Dickens: Ich liebe englische Klassiker. Ich habe mit bereits mit dreizehn Jane Austen verschlungen und habe viele langatmige Passagen der Brontë-Sisters durchgestanden. Mich stört die Langsamkeit von Elizabeth Gaskell und Wilkie Collins nicht.
Doch Charles Dickens ist langatmiger und behäbiger und sperriger, als alle anderen Klassiker, die ich jemals gelesen habe. Ich bin an der Originalfassung von „Oliver Twist“ ebenso verzweifelt wie an „David Copperfield“ und „Große Erwartungen“. Das einzige Werk von ihm, das ich als lesbar empfinde, ist „Eine Weihnachtsgeschichte“, aber das wurde von den Medien (zig Verfilmungen von Micky Maus bis zu den Muppets) schon zur Genüge ausgeschlachtet.

4.) Dan Brown: Gut, Dan Brown ist nicht überall beliebt. Es gibt genügend Foren und Blogs, in denen über ihn gelästert wird. Doch das erst seit man seine Bücher einige Jahre nach ihrem Erscheinungsdatum mit etwas Abstand betrachten kann. Am Anfang war jeder in meinem Umkreis von „Der Da Vinci Code“ und „Illuminati“ hellauf begeistert.
Ich habe es versucht, aber für die Grausamkeiten, die in seinen Geschichten geschehen, war mir sein Stil schlicht zu emotionslos. Und mit Thrillern konnte ich sowieso noch nie viel anfangen.

3.) Tad Williams: Wenn einer (neben G.R.R. Martin) als die gegenwärtige Größe des Fantasy angesehen wird, ist er es. Wer von sich behauptet, sich halbwegs in dem Genre auszukennen, kommt an Tad Williams einfach nicht vorbei. Und wehe man spreche ein Wort gegen ihn, so ziehe man auf sich den Zorn aller, die dies lesen oder – außerhalb des Internets –  hören.
Ich halte ihm zwar zugute, einige originelle Ideen in die epische Fantasy gebracht zu haben, doch schnelles Voranschreiten der Handlung ist leider nicht unbedingt seine Stärke. In jedem der Bücher, die ich von ihm gelesen habe, hätte man getrost 200 Seiten streichen können, ohne dass einem als Leser etwas gefehlt hätte. Ich habe mich durch „Shadowmarch“ und den noch zäheren Folgeband „Shadowplay“ gekämpft und es mit dem ersten Band der Serie „Das Geheimnis der großen Schwerter“, „Der Drachenbeinthron“, versucht, doch Tad Williams‘ Langatmigkeit hat meinen Lesedurst letztendlich bezwungen.

2.) T.C. Boyle: Bei T. C. Boyle tut es mir richtig leid, dass ich ihn nicht mögen kann, denn ich finde seine Ideen originell und witzig. Es ist wieder einmal mehr das Drumherum als der Kern, der mich stört. In der Kurzgeschichtensammlung „Tooth and Claw“ wimmelt es zwar nur so von spannenden und skurrilen Ansätzen, jedoch hat keine einzige der Geschichten ein richtiges Ende! Mir kommt vor, dass sie alle einfach mitten in einer Situation aufhören, weil Boyle einfach keine Lust hatte, sich eine gute Auflösung des Problems zu überlegen.
Von seinen Romanen, habe ich es mit „Drop City“ versucht, war aber nach über 200 Seiten noch immer gelangweilt, mochte die Charaktere nicht wirklich und hatte das Gefühl, dass nichts passierte.
Also, auch wenn es wehtut, ich sage T.C. Boyle auf immer Adieu.

1.) Neil Gaiman: Dieser Autor schafft wahre Fronten unter Lesern fantastischer Geschichten. Entweder man liebt ihn abgöttisch oder man hasst ihn aus tiefstem Herzen; eine etwas gemäßigtere Haltung dazwischen scheint es nicht zu geben. Ich muss leider gestehen zur zweiten Sorte zu gehören.
Ich fand „Coraline“ schrecklich zu lesen (obwohl mir der Film sehr gut gefiel), bei „The Graveyard Book“ war nichts interessant bis auf die Titelillustration, die von Chris Riddell stammte. Außerdem kam mir die Idee von einem Menschen, der auf einem Friedhof lebt und mit Geistern reden kann, sehr von Peter S. Beagles „He! Rebeck“ abgekupfert vor. Bei „Der Sandmann“ finde ich zwar die Grundidee gut, kann aber mit der Umsetzung nichts anfangen.
Neil Gaiman wird also ab sofort nicht mehr nur in meinem Bücherregal stehen, auch wenn „es gut aussieht“.

Wie ist das mit euch; gibt es auch Autoren oder Bücher, die ihr nicht leiden könnt, obwohl euch jeder einredet, dass sie absolut toll sind?

Kommentare:

  1. Da muss ich glatt lachen, weil es mir so bekannt vorkommt! :) Wenn ich ein Buch rezensiere, das mir weniger gefallen hat, von dem ich aber weiß, dass die meisten anderen es mögen, dann stelle ich mich im Vorfeld immer schon auf einige Kritik an mir ein ;-)
    Nicht zuletzt bei "Das Lied der Dunkelheit".
    Von Gaiman kenne ich nur "Sternenwanderer" und der hat mir ziemlich gut gefallen. Aber bisher habe ich auch noch nichts anderes von ihm gelesen und da liegen inzwischen Jahre zurück.
    Am Drachenbeinthron bin ich vor Jahren auch an der Langatmigkeit gescheitert. Ich habe mir kürzlich vorgenommen, es noch einmal zu versuchen. So von wegen älter geworden und so.
    Dan Brown mag ich auch nur als Film.
    Und die anderen kenne ich nicht, außer Dickens und den mag ich auch nur als Film.

    Insgesamt denke ich, dass jeder Leser seinen eigenen Geschmack hat und das Angebot ist nun wirklich groß genug.

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  2. Bei Dickens kann ich Dich sogar sehr gut verstehen. Er liest sich schon ausgesprochen zäh. Es sind noch nicht mal Autoren, bei mir sind es viel mehr einzelne Bücher. Ich tanze z.B. seit Jahren um "Moby Dick" herum. Klar, ein Buch, das man gelesen haben sollte, aber mir will das Thema einfach nicht gefallen.

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    1. Da hast du natürlich Recht, es kann leicht sein, dass einem zufällig gerade das erste Buch, das man von einem Autor liest, überhaupt nicht gefällt und alle anderen ganz toll wären.
      Wenn ich mir dann aber beim dritten Buch desselben Autors noch immer "naja" denke, wird es Zeit ihn für mich persönlich abzuhaken.

      Außerdem denke ich nicht, dass man sich verpflichtet fühlen muss, alle Literaturklassiker zu lesen, nur weil sie Klassiker sind. "Moby Dick" steht bei mir nämlich auch noch aus ;)

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  3. Man muß ja gar nichts mögen, aber gerade bei besonders beliebten Büchern oder Autoren entsteht gerne so ein besonderer Rechtfertigungswunsch :-) Ich kann z.B. "Der kleine Prinz" und "Der Fänger im Roggen" nicht ausstehen. Mit Dan Brown kann ich übrigens auch nicht viel anfangen - der schreibt mir zu oft immer wieder dasselbe.

    Neil Gaiman mag ich allerdings. Du hast offenbar vor allem die Kinderbücher probiert? Ich finde ja seine Kurzgeschichten besonders stark... Aber du hast recht: wenn nach mehreren Versuchen der Funke nicht überspringt, dann ist das eben einfach so, da muß man auch nicht noch alles andere vom Autor antesten.

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